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Kleinlitauen
Kleinlitauen (lit. Mažoji Lietuva, engl. Lithuania Minor, russ. Малая Литва) bezeichnet die ethnischen Gebiete der Balten, unter anderen der Nordprußen und der Kleinlitauer (Selbstbezeichnung lietuvininkai).
Das kleinlitauische Gebiet östlich des Flusses Deimena (deutsch Deime) war unter König Mindaugas ein Teil Litauens. Ende des 13. Jahrhunderts wurde ganz Kleinlitauen vom Deutschen Orden erobert, der das Gebiet Deutschordensstaat Preußen nannte.
Heute gehört das ehemalige Kleinlitauen zu drei Staaten: Das ehemalige Klaipėda Gebiet (lit. Klaipėdos kraštas, deutsch Memelland) ist seit dem Jahre 1923 (mit Ausnahme der Jahre 1939 - 1944) Teil der Republik Litauen. Die Umgebung von Galdapė (deutsch Goldap) ist zusammen mit dem südlichen Teil Ostpreußens 1945 an Polen gefallen. Der größte Teil Kleinlitauens, nämlich das gesamte Königsberger Gebiet, die heutige Exklave Königsberg, (lit. Karaliaučiaus kraštas, engl. Koenigsberg region, russisch Кенигсбергский (Калининградский ) край wird seit 1946 von Rußland verwaltet.
Im östlichen Teil des Königsberger Gebietes, der im 13. Jahrhundert zum litauischen Staat gehörte, waren über Jahrhunderte (bis zur großen Kolonisation 1710 - 1732) rund 90 % der Bevölkerung Litauer. In staatlichen preußischen Urkunden wurde dieses Territorium dann auch bis Ende des 19. Jahrhunderts als Litauen - in verschiedenen Variationen Kleinlitauen, Preussisch-Litauen, Provinz Litthauen - bezeichnet.
Das Königsberger Gebiet wurde im 16. Jahrhundert zur Geburtsstätte der ersten prußischen und litauischen Bücher und der litauischen Hochsprache. 1547 wurde in Königsberg das erste litauische Buch, „Catechismus“ von Martynas Mažvydas (Mosvidius), herausgegeben. 1590 übersetzte der kleinlitauische Priester Jonas Bretkūnas (Bretke) die Bibel ins Litauische. Und aus diesem Gebiet stammt der erste Klassiker der litauischen Literatur, Dichter-Pfarrer Kristijonas Donelaitis (Donalitius).
Am 30. November 1918 erklärte der Preußisch-litauische Volksrat mit der Tilsiter Akte, daß auf Grund des in den 14 Punkten Wilsons deklarierten Selbstbestimmungsrechtes der Völker der Anschluß Kleinlitauens an Litauen gefordert werde. Mit dem Friedensvertrag von Versailles wurde jedoch nur der nördliche Teil, nämlich das Gebiet Klaipėda, von Ostpreußen (den ethnischen baltischen Territorien), damals regiert vom Deutschen Reich, abgetrennt.
1945 wurde das Königsberger Gebiet nach der Vereinbarung der Siegermächte auf der Potsdamer Konferenz vorübergehend der Sowjetunion (nicht Rußland) überlassen, die die Verwaltung des Gebietes an Rußland übertragen hat. Unter Mißachtung des Völkerrechts hat Rußland Völkermord an der Bevölkerung des Königsberger Gebietes (an der Litauern und prußischstämmigen Deutschen) begangen, dieses baltische Territorium kolonisiert und militarisiert, litauische und prußische Orts- und Flußnamen in russische umbenannt.
Obwohl die Großmächte auf der Potsdamer Konferenz 1945 unter anderen beschlossen hatten, das Problem des Gebietes Königsberg „in einer zukünftigen Friedenskonferenz“ zu lösen, ist es bis heute nicht dazu gekommen.
Rat für Kleinlitauische Angelegenheiten
Der litauische Rat für Kleinlitauische Angelegenheiten (RfKLA) ist eine nicht-staatliche gemeinnützige Organisation mit dem Bestreben, kleinlitauisches Kulturerbe im Bewußtsein der Litauer zu bewahren. Der RfKLA sammelt Information über Kleinlitauen (KL), gibt diese an Interessenten weiter und stellt aktuelle Anfragen an Parlament und Regierung der Republik Litauen. Die größte Aufmerksamkeit gilt dabei dem Gebiet Königsberg als dem gößten Teil des ehemaligen KL. Seit Oktober 1994 hat der RfKLA seinen Sitz in Vilnius (A. Jakšto Str., 9-203, TeI./Fax: +370-2-62-46-46, E-Mail: mlrt@takas.lt).
Der RfKLA ist aus der von der litauischen Unabhängigkeitsbewegung Sąjūdis am 12. September 1989 gegründeten Kommission zu Fragen des kleinlitauischen Kulturerbes und des Genozids entstanden. Ab 18. Dezember 1989 war der RfKLA als Organisation am Obersten Rat (später am Parlament) Litauens tätig. Auf Empfehlung des Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Parlaments wurde der RfKLA am 23. Juni 1993 als selbständige nicht-staatliche Organisation registriert. Seit 1989 fungiert der anerkannte Kleinlitauen-Experte Vytautas Šilas als Leiter des RfKLA (Stellvertreter Dr. Algirdas Matulevičius und Petras Cidzikas).
Der RfKLA hat bereits am 11. November 1989 eine Liste von zu lösenden vorrangigen Fragen des kulturellen Erbes und der Betreuung der im Königsberger Gebiet lebenden Litauer zusammengestellt (Vydūnas-Gedenkstätte in Tilsit, Denkmäler für Martynas Mažvydas (Mosvidius), Jonas Bretkūnas (Bretke), Ludwig Rhesa; Gründung von litauischen Kindergärten und Schulen).
1993 hat der RfKLA ein Memorandum zur litauischen Politik bzgl. des Königsberger Gebietes verfaßt und dem Parlament sowie der Regierung Litauens übergeben. 1994 wurde eine neue Konzeption zur Politik des litauischen Staates im Königsberger Gebiet ausgearbeitet und damit das Problem des rechtlichen Status des Königsberger Gebietes aufgeworfen. 1996 wurden die Vorträge der vom RfKLA 1995 in Vilnius veranstalteten Konferenz „Potsdam und Litauen“ unter dem Titel „Potsdam und das Gebiet Königsberg“ veröffentlicht (Zusammenfassungen in Englisch, Deutsch und Russisch).
Aufgrund des Vorschlages des RfKLA hat das litauische Parlament 1998 den 30. November zum Gedenktag der Tilsiter Akte (Tag der Einheit von Klein-und Großlitauen, 1918) proklamiert.. Darüber hinaus hat der RfKLA erreicht, daß die Staatliche Kommission der litauischen Sprache einen Beschluß faßte über den Gebrauch der traditionellen (d.h. litauischen) Ortsnamen des Königsberger Gebietes in der geschriebenen und der mündlichen Information in Litauen.
Der RfKLA hat für die Neuausgabe (in Russisch) des einst beschlagnahmten Bandes von Pawel Kuschner über die litauische ethnische Vergangenheit des Königsberger Gebietes gesorgt. Nicht weniger als 13 Mitglieder des RfKLA haben Beiträge für den 2000 erschienen ersten Band der „Kleinlitauische Enzyklopädie“ geschrieben.
In der letzten Zeit setzt sich der RfKLA dafür ein, daß der 16. Oktober zum Tag des sowjetischen Genozids an Kleinlitauen erklärt wird und daß die Frage der Entmilitarisierung des Königsberger Gebietes auf internationaler Ebene diskutiert wird.
Im Herbst 2001 veranstalte der RfKLA die Internationale Konferenz „Ungelöste Fragen des Königsberger Gebietes“.
Internationale Konferenz „Ungelöste Fragen des Königsberger Gebietes“
Genocide in Kleinlitauen
Die Zukunft des Königsberger Gebietes – mit Litauen!
Die Karten der Verwaltungs Territorien, siehe Verwaltungs Zentren
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